Gesund und leistungsfähig in stressigen Zeiten

- was Unternehmen, Führungskräfte und die Mitarbeiter selbst dafür tun können

Arbeitszeitreport 2016: Stress belastet immer mehr Mitarbeiter und Führungskräfte

Die Deutschen arbeiten viel. Manche so viel, dass ihre Gesundheit darunter leidet. Dies zeigt der am 10. Oktober veröffentlichte „Arbeitszeitreport Deutschland 2016“ [1]. Über die Hälfte der 20.000 Befragten klagt laut der repräsentativen Studie über Müdigkeit und Erschöpfung (53 %). Kreuz- und Rückenschmerzen kennen 51 %, mehr als ein Drittel (34 %) leiden unter Schlafstörungen und fast ein Viertel (24 %) klagt über Niedergeschlagenheit. Die Ursachen für die zunehmenden Stresssymptome sind bekannt und sie werden sich auch in der Zukunft nicht ändern: Globalisierung, Digitalisierung, Wettbewerbs- und Kostendruck führen zu einer steigenden Arbeitsverdichtung. Um das Problem der weiter zunehmenden gesundheitlichen Belastung durch die Arbeit in den Griff zu bekommen, werden bereits wieder Forderungen nach Regelungen der Arbeitszeit durch den Gesetzgeber laut. Dies wäre aber viel zu pauschal und würde den realen Anforderungen der Wirtschaft nicht gerecht werden. Deshalb sind Unternehmen, Führungskräfte und die betroffenen Mitarbeiter hier selbst gefordert, die für sie passenden Lösungsansätze zu entwickeln, um auch langfristig gesund, leistungsfähig und produktiv zu bleiben. Hier finden Sie einige Denkanstöße für Unternehmen, für Führungskräfte wie auch für die Betroffenen selbst:

 

Was Unternehmen und Führungskräfte tun können:

 

Eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur schaffen: Wenn Mitarbeiter über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten, liegt dies häufig an der Unternehmenskultur: Jeder arbeitet lange, keiner will die Ausnahme sein. Wer rechtzeitig Feierabend macht, hat nicht genug zu tun - könnten die anderen denken. Überlastung gilt als Schwäche; Krankheitssymptome werden lieber verheimlicht. Wer gestresst und überlastet ist hält irgendwie durch – bis es nicht mehr geht. Wenn eine 60-Stunden-Wochen als normal gilt und dann gleichzeitig Stressbewältigungsseminare angeboten werden, wirkt dies wie ein Feigenblatt. Unternehmen, die „gesundes Arbeiten“ als Wert verankern und zeigen, dass sie sich um die Gesundheit ihrer Angestellten kümmern, profitieren auch langfristig von der Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter. Das beginnt damit, immer wieder zu kommunizieren, dass die Mitarbeitergesundheit wichtig ist und dass das Unternehmen bereit ist, seinen Teil der Verantwortung dafür zu tragen.

 

Gesunde Führung: Kränkendes Führungsverhalten und unrealistisch hohe Leistungsanforderungen gehen nicht nur zu Lasten der Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch zu Lasten ihrer Motivation. Dies zeigt sich dann in hohen Krankheits- und Fluktuationsraten. Realistische Ziele, wertschätzende Kommunikation, Transparenz und Partizipation bei Entscheidungen bringen mehr für die Mitarbeitergesundheit als ergonomische Bürostühle. Wer als Führungskraft zeigt, dass die Mitarbeiter und ihre Leistungsfähigkeit wichtig sind, schafft damit einen großen Beitrag zur betrieblichen Gesundheitsprävention.

 

Was jeder selbst für sich tun kann:

 

Für Regeneration sorgen: Der Arbeitszeitreport zeigt auch, dass besonders Vielarbeiter dazu neigen, Pausen und Freizeitaktivitäten aus Zeitmangel zu streichen. Darunter leiden sowohl die Lebensfreude, wie auch Produktivität und Kreativität. Wer bei der Regeneration spart, zahlt die Rechnung später. Gönnen Sie Ihrem Kopf und Ihrem Körper Erholung und Spaß, dann bleiben Sie auch langfristig gesünder und leistungsfähiger. Nehmen Sie sich Zeit für Pausen, kleine Auszeiten und Aktivitäten, die Ihnen Freude machen. Pflegen Sie Freundschaften und Beziehungen - das tut nicht nur Ihrer Seele gut, es macht Sie auch stärker und fitter. Sie finden nie die Zeit dafür? Dann machen Sie sich bewusst, wie wichtig Erholung für Ihre Gesundheit und Ihre Zufriedenheit ist. Setzen Sie diese Aktivitäten oben auf Ihre Prioritätenliste und tragen Sie sich die Termine dafür fest in Ihren Kalender ein. Machen Sie regelmäßig auch einen Termin mit sich selbst und reservieren Sie sich Zeit für das, was Ihnen gut tut.

 

Wieder entspannen lernen: Wer ständig unter Volldampf steht, kann auch abends oder nachts schwer abschalten und runterfahren. Die häufigen Folgen sind dann Schlafstörungen. Wer sich hingegen gut entspannen kann, bleibt auch wenn es stressig wird ruhig und gelassen. Entspannungstechniken, Meditations- oder Achtsamkeitsübungen sind deshalb heutzutage nicht mehr nur etwas für Esoterik-Freaks, sondern wirksame Methoden, um Kopf und Körper wieder beizubringen, zu entspannen. Sport und Bewegung helfen ebenfalls hervorragend, Stress abzubauen und den Kopf wieder frei zu bekommen. Hier ist jeder auch selbst gefordert, auf seine Gesundheit zu achten. Wie man das umsetzt? Indem man die für sich passende Methoden findet und sie zur Gewohnheit macht: am besten mit Minieinheiten anfangen und diese fest in den Tages- oder Wochenablauf integrieren, dann nach und nach weiter ausbauen.

 

Prioritäten setzen, sich fokussieren und Belastungsgrenzen erkennen: Wenn es einfach zu viele Aufgaben sind, bleibt nur, sich auf Wichtiges zu konzentrieren. Auch mit dem besten Zeitmanagement ist irgendwann das Ende des Machbaren erreicht. Machen Sie sich bewusst, was realistisch wirklich zu schaffen ist und wo Ihre Belastungsgrenzen sind. Suchen Sie das Gespräch mit Vorgesetzten und klären Sie gemeinsam, wie die Arbeitsprioritäten sinnvoll gesetzt werden können. Machen Sie Lösungsvorschläge, was Ihnen helfen würde, dass Sie Ihre Arbeit besser bewältigen können. Achten Sie auch selbst darauf, dass Sie zu viele Ablenkungen durch Internet und Soziale Medien vermeiden, um Ihre Konzentration zu stärken und um sich besser auf wichtige Aufgaben fokussieren zu können.

 

Wir unterstützen Mitarbeiter, Führungskräfte und Unternehmen durch Workshops und Seminaren zu den Themen gesunde Führung, persönliche Resilienz, Team-Resilienz und Stresskompetenz, um langfristig optimal leistungsfähig zu bleiben.

 

Autorin: Petra Weber, solutioplus Coachingzentrum Heidelberg

 

Arbeitszeitreport Deutschland 2016 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:

http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2398.html